Brustkrebs: Wie hoch ist das Risiko?

Für Frauen verschiedenster Altersgruppen zweifellos ein Schreckgespenst: die Diagnose-Brustkrebs. Deshalb spielt Früherkennung eine ganz entscheidende Rolle. Aus Anlass des Weltkrebstages 2013 sprach TZ mit Chefarzt Dr. Eike Simon vom Kreiskrankenhaus Torgau, der dort auch das Brustzentrum leitet.

TZ: Lässt sich Brustkrebs denn durch Vorsorge generell vermeiden?

Dr. Eike Simon: Sicher vermeiden lässt sich Brustkrebs nicht und auch der Gang zum Arzt kann die Erkrankung nicht verhindern. Je früher aber bösartiges Zellwachstum in der Brust erkannt wird, desto besser sind die Aussichten für die betroffene Frau. Mit der Screening-Mammografie lassen sich selbst kleinste Tumoren aufspüren, auf die es sonst keinerlei Hinweise gibt.
Zeigen sich Symptome wie tastbare Knoten oder auffällige Verformungen der Brust, sind die Tumore meist schon größer als zwei Zentimeter. Am besten sind aber die Heilungsaussichten bei kleineren und dann nicht sicher tastbaren Tumoren. Wird Brustkrebs in diesem Stadium erkannt und behandelt, überleben nach Studien des Robert-Koch-Instituts neun von zehn Frauen die Erkrankung langfristig.

Brustkrebs vorbeugen, geht das?

Durch einen allgemein gesunden Lebensstil kann jede Frau ihr Brustkrebsrisiko senken. Regelmäßige Bewegung und Sport, nur mäßiger Alkoholkonsum und das Vermeiden von Übergewicht tragen dazu bei. Dabei hat keineswegs nur Ausdauersport diesen Effekt. Auch intensive Hausarbeit, zügiges Gehen oder eine halbe Stunde Radfahren täglich zur Arbeit oder zu Besorgungen sind bereits wirksam. Die Frage, wie viel Bewegung es sein muss, lässt sich noch nicht sicher beantworten. Die Weltge­sundheitsorganisation (WHO) empfiehlt mindes­tens 150 Minuten regelmäßige körperliche Aktivität von moderater Intensität oder 75 Minuten anstrengende Aktivität pro Wo­che.

Spielen Hormone und das Alter beim Ausbruch der Krankheit eine Rolle?

Einfluss auf das Brustkrebsrisiko hat auch die Gesamtdauer der Einwirkung körpereigener Hormone auf das Brustgewebe, die vor allem durch die Gesamtzahl der Monatszyklen bestimmt wird, also durch die Zeitspanne zwischen Beginn der Regelblutungen und Menopause. Schwangerschaften und Stillzeiten haben einen gewissen Schutzeffekt. Krebs wird außerdem mit zunehmendem Lebensalter wahrscheinlicher. Unter Eintausend 40-jährigen Frauen erkranken in den folgenden zehn Jahren 15 an Brustkrebs, bei 50-jährigen sind es bereits doppelt so viele. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 63 Jahren.

Trat bereits Brustkrebs in der Familie auf, steigt damit das persönliche Risiko?

Die meisten bösartigen Tumoren entstehen „spontan“, ohne dass man eine eindeutige Ursache ausmachen könnte. In etwa zehn von 100 Brustkrebsfällen jedoch spielen erbliche Genveränderungen eine Rolle, die das Erkrankungsrisiko dann deutlich erhöhen. Bekannteste Beispiele sind die „Brustkrebsgene“ BRCA1 und BRCA2. Mehrere Erkrankungen an Brust- oder Eierstockkrebs in der Familie oder Auftreten der Erkrankung im Alter unter 50 Jahren können auf erbliche Ursachen hinweisen. Frauen, in deren Familie etwa bei Mutter oder Schwester einmal Brustkrebs aufgetreten ist, sind aber nicht zwangsläufig mit einem erhöhten Risiko belastet. In der Mehrzahl der Fälle ist das Brustkrebsrisiko nicht „vererbt“. Für Frauen, bei denen eine genetische Belastung besteht oder vermutet wird, gibt es spezielle Zentren zur Beratung und Betreuung, die je nach Situation auch vorbeugende Maßnahmen empfehlen können.

Blicken wir gezielt auf das Jahr 2012 am Kreiskrankenhaus Torgau. Welche Fallzahlen können Sie da benennen?

2012 haben wir in Torgau an unserem Zentrum 346 Brustkrebs-Patientinnen betreut, von denen 151 neu erkrankt waren. Das sind sogenannte „Primärfälle“, davon übrigens auch zwei Männer. Wir haben 410 Operationen an der Brust vorgenommen – nicht nur „Krebsoperationen“, sondern auch Eingriffe bei gutartigen Veränderungen beziehungsweise Rekonstruktionen nach Krebsbehandlungen und so weiter. 1.200 Zyklen Chemotherapie mussten wir in unserer onkologischen Ambulanz bei an Brustkrebserkrankten verabreichen. Diese Zahlen sind in den letzten fünf Jahren ziemlich unverändert.

www.torgauerzeitung.com

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