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05.07.2010 - Von der Arbeit am Mikroskop begeistert
„Das Labor war ein wichtiger Teil meines bisherigen Lebens“, bekannte Rita Bischoff freimütig. Und wer sie kennt, der weiß, dass dies die 60jährige Medizinisch-Technische-Assistentin (MTA) der heutigen Kreiskrankenhaus Torgau „Johan Kentmann“ gGmbH auch aus tiefstem Herzen so sieht. Am Freitag vergangener Woche nun war ihr letzter Arbeitstag. Nach 44 Jahren Labortätigkeit im gleichen Haus begann für sie jetzt der passive Teil der Altersteilzeit.
Am 1. September 1966 begann sie am damaligen Kreiskrankenhaus Torgau. Drei Jahre lang besuchte sie in Leipzig eine medizinische Fachschule, wo sie eine Ausbildung als Labor- und Röntgenassistentin absolvierte. „Von Montag bis Mittwoch war Schule und Donnerstag bis Samstag haben wir im Labor gearbeitet“, erinnert sich die Süptitzerin noch genau. Im Juli1969 lernte sie aus, tat bereits eine Woche später ihren ersten Dienst. „Am Anfang dachte ich – das schaffst du nie! Die vielen Reagenzien – aber dieses Gefühl verflog rasch“, weiß sie heute. Eine enorme Entwicklung hat sich im Laborbereich seit damals vollzogen. Und Rita Bischoff war immer mittendrin. Die einst fast komplett manuelle Tätigkeit ist computergestützten Verfahren und Techniken gewichen.
„Bereits in den 70er-Jahren wurde am Torgauer Kreiskrankenhaus unter Dr. Clausnitzer ein modernes Labor aufgebaut. Sein Nachfolger, Dr. Bergmann, gestaltete die Umstellung auf EDV und bot uns eine gute Schulung dazu. Seit zehn Jahren arbeiten wir nun unter der Leitung von Diplom-Chemiker Olaf Kliem nach den neuesten Erkenntnissen und in einem sehr breiten Laborspektrum“, erzählte Rita Bischof. Sie selbst qualifizierte sich bereits von 1974 bis 1976 zur Fach-MTA für Hämatologie (Blutkunde) und besuchte später einen Speziallehrgang zur Knochenmarksdifferenzierung. „Für mich war die Tätigkeit als MTA ein sehr schöner und vielseitiger Beruf. Auch der Umgang mit den Patienten hat mir viel Spaß gemacht“, lautete ihr Fazit. Natürlich erinnert man sich nach so vielen Jahren an bestimmte Dinge besonders. „Als wir noch im alten Haus waren, drohte jedes mal bei Gewittergüssen unser Labor im Keller im Wasser zu versinken. Wir suchten Schutz auf den Labortischen und waren froh, wenn Dr. Baier noch rechtzeitig den Absperrschieber betätigte.
Wehmütig war ihr dann doch ums Herz, als es ans Abschiednehmen ging. Toll gefreut hat sich Rita Bischoff über das Fotobuch mit speziellen Widmungen vom Team des Labors. Künftig hat sie nun mehr Zeit, um sich um ihre beiden Enkel Björn (sechs Jahre) und Friedelin (zwei Wochen) zu kümmern. Aber auch so wird keine Langeweile aufkommen. Haus und Grundstück in Süptitz sowie die Kleintierzucht sorgen unter anderem dafür. Außerdem ist sie aktives Mitglied der Gymnastikgruppe des SV Süptitz. Das gilt ebenfalls für den Kirchenvorstand des Ortes. „Ehrenamtliche Tätigkeit ist mehr wichtig“, meinte sie dazu. Ach ja, seit 1965 schreibt Rita Bischoff Tagebuch. Vom Wetter, guten und schlechten Nachrichten ist da zu lesen. „Vielleicht verlege ich mich ja noch aufs Schreiben. Für die TZ-Historienseite habe ich schon erste Beiträge geliefert“, sagte sie mit einem Lächeln.
