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04.06.2011 - Torgauer Ärzteteam holt Thema Inkontinenz aus der Tabuzone

Die Inkontinenz dem Schamesdunkel zu entreißen und den Betroffenen Hilfestellung zu geben – das ist das Ziel der Welt-Kontinenz-Woche, die vom 20. bis zum 26. Juni 2011 stattfindet. Auch das Team der Klinik für Frauenheilkunde der Kreiskrankenhaus Torgau „Johann Kentmann“ gGmbH beteiligt sich. „Inkontinenz soll als weitverbreitetes, quasi alltägliches Problem wahrgenommen werden“, führt Oberärztin Dr. med. A. Jäschke aus. „Es ist wichtig, zum Arzt zu gehen, weil alle Formen der Inkontinenz einfach zu diagnostizieren, gut zu behandeln und in den meisten Fällen sogar vollkommen zu heilen sind“, ergänzte sie.

Deshalb wird in der Aktionswoche auch täglich ein Infotelefon, Rufnummer 03421 772075, installiert, wo sich Betroffene Rat und Hilfe holen können. Die Spezialisten des Torgauer Kreiskrankenhauses sind gerade auf dem besten Weg, als Beratungsstelle der Deutschen Kontinenzgesellschaft zertifiziert zu werden. Eine Reihe spezieller Fortbildungen im ärztlichen Bereich wurden im Vorfeld absolviert. Ein hoher Standard und ein breites Spektrum an Untersuchungen im urogenitalen Bereich werden angeboten. Für die Patenten bedeutet dies verbesserte Standards, exakte Therapieempfehlungen und neueste Operationstechniken. Mittelfristiges Ziel soll es sein, am Torgauer Kreiskrankenhaus ein Beckenbodenzentrum zu schaffen. Neu im Team der Frauenklinik ist Assistenzärztin Eva Bieck.

In leichteren Stadien der Belastungsinkontinenz helfen schon ein Training der Beckenbodenmuskulatur oder eine medikamentöse Behandlung. Reicht das nicht aus, stehen operative Verfahren oder eine Unterspritzungstherapie zur Verfügung. Bei der operativen Therapie wird in den meisten Fällen die geschwächte Harnröhre stabilisiert, indem sie durch ein Band unterfüttert wird. Das geschieht ohne Bauchschnitt und dauert nur etwa 15 Minuten. Mit diesem Band sind 97 Prozent aller Patientinnen nach dem Eingriff beschwerdefrei – auch Sport ist wieder möglich. Ebenfalls sehr erfolgreich ist das Unterspritzungsverfahren mit Bulkamid®, einem speziellen Hydrogel. OÄ Dr. med. A. Jäschke: „Wir setzen Bulkamid vor allem bei Patientinnen ein, für die ein anderes Verfahren nicht infrage kommt. Aber auch Patientinnen, die eine größere Operation ablehnen oder die ihre Familienplanung noch nicht abgeschlossen haben, sind geeignet.“
Ein häufiger Zusammenhang besteht zwischen einer Belastungsinkontinenz und einer Gebärmuttersenkung. In solchen Fällen sollte zunächst die Senkung behandelt werden. Früher war dazu eine aufwendige Operation nötig, die häufig mit Rückfällen verbunden war. Heutzutage werden in einem minimal-invasiven Eingriff die abgesenkten Organe durch Netzimplantate abgestützt. Das Mesh-Verfahren belastet die Patientinnen kaum, schon nach wenigen Wochen sind sie wieder voll belastbar. Ein großer Vorteil ist auch, dass ein erfüllendes Sexualleben anschließend möglich ist, da die Anatomie geschont wird. Dieses Verfahren wird auch in der Abteilung Gynäkologie des KKH Torgau angeboten und regelmäßig durchgeführt.

„Zur optimalen Behandlung ist die fachübergreifende Zusammenarbeit sehr wichtig, wie sie in der Spezialsprechstunde die Regel ist. Unterschiedliche Fachärzte und Physiotherapeuten besprechen dort jeden Fall. In Torgau haben wir mit Katrin Pleines eine spezielle Kontinenzmanagerin im Team. Vor allem die exakte Diagnose ist entscheidend“, erklärt Oberärztin Jäschke. Wie immer aber die Diagnose ausfällt: Alle Inkontinenzformen sind behandelbar!

Diese Aussage sollte Mut machen. Noch immer behalten viele Betroffene ihr Problem nämlich für sich, weil sie sich schämen und alleine fühlen. Dabei ist Inkontinenz eine Volkskrankheit. In Deutschland leiden zwischen fünf und acht Millionen Frauen an Blasenschwäche. Das ist allerdings weder ein Geschlechts- noch ein Altersproblem, wenngleich Männer seltener betroffen sind. Sogar junge Frauen leiden bereits an einer sogenannten Belastungs- oder Stressinkontinenz. Auch Kinder sind betroffen. Deshalb bieten die Experten im Torgauer Kreiskrankenhaus eine Spezialberatung in Zusammenarbeit mit der Kinderstation. Dabei geht es beispielsweise um nächtliches Bettnässen und häufigen Harndrang. Unter anderem dazu wird Kontinenzmanagerin Katrin Pleines im Rahmen der von der Torgauer Zeitung organisierten Gesundheitsmesse am 26. Juni in der Markthalle Torgau Rede und Antwort stehen. Weitere aktuelle Informationen und Einblicke in die Klinik für Frauenheilkunde gibt es beim „Tag der offenen Tür“ am 24. September. 

 

www.torgauerzeitung.com

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