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30.06.2009 - "Rooming-In" ist durchgängiges Prinzip
Frustessen, Magersucht sowie frühkindliche Beziehungsstörungen zwischen Mutter und Kind – etwa zehn Prozent aller Fälle, die auf der Kinder- und Jugendstation des Torgauer Kreiskrankenhauses behandelt werden, haben mit den genannten Problemen zu kämpfen. „Wir wollten und mussten handeln, haben zusammen mit dem Parkkrankenhaus Leipzig eine kinderpsychiatrische Tagesklinik in direkter Nachbarschaft des Torgauer Kreiskrankenhauses etabliert“, bestätigte Dr. med. Walter Pernice, Chefarzt der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin.
Seit September des vergangenen Jahres ist die Tagesklinik Wirklichkeit. Zuvor existierte sechs Monate eine Ambulanz in diesem Bereich. Möglich wurde die Tagesklinik durch die Zusammenarbeit mit dem Parkkrankenhaus Leipzig, der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Mit deren Chefarzt, Dr. med. E. Thoms, und mit seiner Oberärztin, Frau Dr. Hinzmann, stehen zwei anerkannte Fachleute den Torgauer Medizinern bei der Diagnostik und Behandlung spezieller Fälle zur Seite. „Frau Dr. Hinzmann kommt ein- bis zweimal pro Woche zu Untersuchungen auf die Kinderstation, erklärte Chefarzt Dr. Pernice. Die Mädchen und Jungen mit psychischen Erkrankungen sind nur tagsüber in der Tagesklinik, nachts schlafen sie bei ihren Eltern. „Die psychologische und kinderpsychiatrische Behandlung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Behandlung der eingangs erwähnten Erkrankungen. Deshalb sollte an dieser Stelle darauf verwiesen werden, dass in Torgau auch eine ambulante kinderpsychiatrische Behandlung möglich ist“, ergänzte Dr. Pernice.
Ebenfalls seit dem vergangenen Jahr gibt es auf der Kinderstation des Torgauer Kreiskrankenhauses einen zweiten Oberarzt. Dr. Burkhard Matthé widmet sich unter anderem verstärkt der Behandlung von Asthma und der Allergologie. Ebenso werden wir zusammen auch das Herzecho im Bereich der Pädiatrie (Kinderabteilung) etablieren. Vor allem bei Notfalluntersuchungen ist dies entscheidend. „Sonst pflegen wir die Zusammenarbeit mit dem Herzzentrum Leipzig“, merkte Chefarzt Pernice an. Als langjährige Oberärztin gehören Frau Dipl.-Med. Edith Bieck und eine Ausbildungsassistentin zum Team der Kinderstation. „Damit sind wir personell recht knapp besetzt“, schätzt der Chefarzt ein. Wesentlich besser sei dagegen das Bild zurzeit beim Pflegepersonal.
„Unsere Schwestern leisten eine sehr gute Arbeit“, lautete die Anerkennung des Chefarztes. Er verwies noch einmal auf die besondere Rolle der Kindergärtnerin, die auf der Station tätig ist. „Mit Conny Reichelt haben wir einen echten Glücksgriff getan. Sie kann sehr gut mit den Kindern umgehen, wird schnell akzeptiert und wirkt auch positiv auf die Eltern ein“, konnte Dr. Pernice resümieren. Weder das Krankenhaus Delitzsch im neuen Landkreis noch das in Eilenburg verfügen über eine Kinderklinik. Torgau wird aufgrund der günstigen geografischen Lage auch künftig diesen Bereich vorhalten. 29 Betten stehen zur Verfügung. Neben der Kinderstation existiert eine Neugeborenstation und ein kleiner Intensivbereich für Neugeborene. Frühgeborene ab der 32. Woche werden in Torgau betreut. Ein neues Beatmungsgerät, neue Inkubatoren und modernste Überwachungsgeräte bilden die technische Voraussetzung. Rooming-In ist durchgängiges Prinzip, oft auch bei den Frühgeborenen möglich. Darüber hinaus praktizieren wir eine enge Zusammenarbeit mit der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe“, erläuterte Chefarzt Dr. W. Pernice.
Das Prinzip Mutter/Eltern-Kind hat sich in den zurückliegenden Jahren seit der Wende grundlegend gewandelt. So viel wie möglich sollen die Kleinen mit den Eltern zusammen sein. Was Dr. Pernice nicht so richtig glücklich macht, ist die von sieben auf durchschnittlich fünf Tage verkürzte Betreuungszeit von Neugeborenen im Krankenhaus. Dieses entspricht aber dem Wunsch der meisten Eltern und auch den medizinischen Erfordernissen.
Zufrieden ist der Chefarzt mit den technischen Voraussetzungen, die geschaffen wurden, um verbesserte Hörtests bei den Neugeborenen vornehmen zu können. Bereits seit zwölf Jahren wurde in Torgau der sogenannte OAE-Hörtest angeboten. Wir haben eine Ambulanz für Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern. „Adipositas wollen wir verstärkt angehen“, fügte Dr. Pernice an. Kinderpsychologen, eine spezielle Diätberaterin und Sportlehrer gehören zum Team. Ein Programm ist bereits erstellt, das ab kommendem Herbst noch erweitert wird.
Jüngste Entwicklungen bestätigen, dass bei Kindern und Jugendlichen vermehrt Kopfschmerzen auftreten. Mit Messungen der Hirnströme (EEG) und gezielten Untersuchungen soll den Ursachen auf den Grund gegangen werden. „Hierfür hat Frau Oberärztin Dipl.-Med. E. Bieck eine Kopfschmerz- und EEG-Ambulanz, natürlich auch für die Behandlung von Kindern mit Anfallsleiden und Entwicklungsstörungen“, stellte Chefarzt Pernice fest. Er verwies in dem Zusammenhang auf die mediale Entwicklung, die ihm Sorgen bereitet. Die Reizüberflutung durch Fernsehen, Computer und weitere moderne Technik bleibt aus seiner Sicht nicht folgenlos für die Gesundheit der Kinder. Einen geregelten Tagesablauf zu finden und zu gestalten, dürfte eine wichtige Aufgabe der Eltern für die nahe Zukunft sein.
Ohne die gute Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen des Krankenhauses wäre die wohnortnahe Behandlung der Kinder kaum denkbar. An erster Stelle ist der unermüdliche Einsatz des Chirurgischen Teams mit Chefarzt Dr. Dudda zu nennen, der mit großem Geschick diffizile Eingriffe schon bei den Kleinsten vornimmt und versiert komplizierte Frakturen unfallchirurgisch in Torgau versorgt. Kindergynäkologische Eingriffe erfolgen durch Chefarzt Dr. Simon, HNO-Operationen durch Frau Dr. Nasz, Augenoperationen durch Dr. Henjes und Dr. Falke, Urologische Operationen durch Dr. Wießner. Bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen besteht eine sehr gute Zusammenarbeit mit Herrn Chefarzt Dr. Eggers von der Inneren Abteilung, der mit dem Kindervideoskop die Magen- und Dickdarmspiegelung bei Kindern vornimmt.
