„Die Impfpflicht ist zu begrüßen“

Chefärztin Dipl.-Med. E. Bieck bezieht Stellung

In Deutschland über Jahrzehnte ausgerottete, gefährliche Viruserkrankungen, wie beispielsweise die Masern, sind plötzlich wieder auf dem Vormarsch. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will dem unter anderem mit einer Impfpflicht begegnen. Doch da scheiden sich die Geister, wie die aktuelle Diskussion beweist.  Dipl.-Med. Edith Bieck, Chefärztin der Kinderklinik an der Torgauer Kreiskrankenhaus „Johann Kentmann“ g GmbH vertritt eine eindeutige Position im Interview mit dem Klinik-Kurier.

KKK: Wie stehen Sie zur Einführung einer generellen Impfpflicht.

CHÄ. E. Bieck: Aus meinen langjährigen, medizinischen Erfahrungen kann ich sie nur absolut begrüßen.

Welche Begründung haben Sie dafür?

Ein Großteil der Eltern ist hinsichtlich dieser Problematik längst nicht so kompetent, wie er glaubt. Und trotzdem lehnt man die Immunisierung durch eine gezielte Impfung ab. Das geht bis hin zur Kindeswohlgefährdung. Masern sind da besonders gefährlich.

Ein Argument der Impfgegner geht dahin, die Kinder nicht unnötig mit Erregern zu belasten.

Täglich müssen die Körper von Erwachsenen und Kindern mit tausenden von Erregern fertig werden. Da kommt es auf eine, auch eine Mehrfachimpfung, nicht an. Wissenschaftliche Untersuchungen haben übrigens langfristig bewiesen, wann die günstigsten Zeiten zur Immunisierung sind. Die daraus resultierenden Impfpläne zur Antikörperanregung im Kindesalter werden aber kaum noch eingehalten:

Was sagen Sie zu den befürchteten Nebenwirkungen?

Da kann ich mit klaren Zahlen aufwarten. Nur bei einer von 7 000 000 Impfungen tritt eine echte Nebenwirkung auf. Fakt ist aber, dass von 1000 an Masern erkrankten Kindern eines sofort oder im Laufe von zehn Jahren an Hirnhautentzündung stirbt.

Haben Sie selbst schon einen Masernfall erlebt?

Ja, das war Anfang der 90iger Jahre. Ein Kind aus den alten Bundesländern war hier betroffen. In Ostdeutschland gab es ja vorher eine fast 100prozentige Impfrate. Heute liegen wir in Deutschland auf dem Niveau von Entwicklungsländern. Das wird zur echten Gefahr. Mein Vorgänger, Dr. Hettmer, berichtete aus den 50iger Jahren noch von Todesfällen durch Masern in Torgau, die er selbst erlebte.

Aufklärung wäre demnach sicher ganz wichtig.

So ist es. In der Kinderarztpraxis bleiben dem Arzt laut Vorgabe lediglich drei Minuten für eine Impfung. In der Realität werden daraus meist 20 Minuten, um aufzuklären und Halbwissen entgegen zu wirken. Wer gesicherte Informationen möchte, kann sich an den jeweiligen Kinderarzt, seinen Hausarzt oder das Gesundheitsamt wenden. Dort werden dann auch die erforderlichen Impfungen vorgenommen.

Wie lautet also Ihr Fazit?

Die Behauptungen der Impfgegner sind durch nichts bewiesen. Eine Impfpflicht für öffentliche Einrichtungen ist absolut angeraten. Das dies erfolgreich ist, zeigte sich im Osten Deutschlands vor der Wende.

Gespräch: Frank Lehmann

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