„Notfallambulanz regelrecht überrannt“

Chefarzt Dr. J. Müller zum Vorschlag der Eigenbeteiligung von Patienten bei Notfallversorgung

Der Vorsitzende des Hartmannbundes in Sachsen, Dr. Thomas Lipp, hat die Forderung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen, Steuerungsinstrumente für die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen zu entwickeln, ausdrücklich begrüßt. „Dass die KV dabei zuvorderst die Notwendigkeit einer entsprechenden Regelung im Bereich der Notfallversorgung sieht, bestätigt mich in meinem fortgesetzten Bemühen, Mehrheiten für einen solchen Schritt zu gewinnen“, sagte Lipp. Momentan würden wertvolle Ressourcen teilweise missbraucht, indem Patienten – oft unnötig – ungesteuert die Notaufnahmen in den Kliniken in Anspruch nehmen. Wie steht Torgaus Klinik-Chef, Dr. med. J. Müller, zu diesem Vorstoß?

 

TZ: Können Sie sich der Initiative anschließen oder lehnen Sie diese ab?

Dr. Müller: Unsere Notfallambulanz wird teilweise regelrecht überrannt. Das sagt wohl schon alles. Eigentlich soll sie ja zur Versorgung akuter Notfälle dienen. Aber wir erleben es in der Praxis, dass Leute wegen eines Zeckenbisses nachts um 3 Uhr auftauchen oder wegen Bagatellfälle wie Infekte die Notfallambulanz aufsuchen. Echte Notfälle müssen so manchmal ungerechtfertigte Wartezeiten in Kauf nehmen. Ich möchte an dieser Stelle auch noch mal klarstellen, dass die Notfallambulanz keine Medikamente ausgibt.

Was schlagen Sie vor?

Ganz klar, wir müssen gegen diesen Trend steuern. Und Geld ist nun mal ein gutes Steuerungsmittel. Deshalb unterstütze ich die Gedanken des KV-Vorstandsvorsitzenden und des sächsischen Hartmannbundes.

Also sollten Patienten künftig für Leistungen der Notfallambulanz zahlen?

Ja, ich denke da an so eine Art Praxisgebühr. Es geht überhaupt nicht darum, dass ein Kranker die medizinische Leistung ganz oder teilweise bezahlen muss. Wir wollen keine amerikanischen Verhältnisse.

Die Notfallambulanz im Torgauer Kreiskrankenhaus ist rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr besetzt. Welche Alternative müsste es geben, um die Überbelastung zu vermeiden?

Ich sehe in der Verbesserung des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes eine echte Chance. Ähnlich wie bei den Apotheken in der Region, sollte auch eine  diensthabende Praxis in einem bestimmten Turnus zur Verfügung stehen. Der hier tätige Mediziner könnte sowohl die erforderlichen Hausbesuche übernehmen als auch eine bestimmte Ambulanzzeit von zwei bis drei Stunden anbieten. Wie gesagt, die Apotheken machen es vor. Und die Mobilität der Patienten ist heute so hoch, dass es von dieser Seite keine Probleme geben dürfte. Ins Krankenhaus würden sie auch kommen.

    Gespräch: Frank Lehmann

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