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Neuer Oberarzt auf der Kinderstation des Torgauer Krankenhauses: Mario Berwald

Wieso er in Hessen als “Dancing Doc” bekannt wurde und was sein Umzug nach Torgau mit der Liebe zu tun hat.

Ein neuer Oberarzt verstärkt seit kurzem das Interdisziplinäre Kinderzentrum des Krankenhauses Torgau: Der Facharzt für Kinderheilkunde und Neonatologie (Früh- und Neugeborene) Mario Berwald. Im Gespräch mit der TZ erklärt er, wieso er in Hessen als „Dancing Doc“ bekannt wurde und was sein Umzug nach Torgau mit der Liebe zu tun hat.
Am Krankenhaus Torgau ist die Freude groß: Der neue Oberarzt auf der Kinder- und Jugendstation, der Facharzt für Kinderheilkunde und Neonatologie Mario Berwald (49), ist ein ausgewiesener Fachmann mit vielen Zusatzqualifikationen und langjähriger Erfahrung. Bewiesen ist auch, dass der Neue aus Hessen Humor hat – und das hängt mit einem Video zusammen, das ihn Hip-Hop-tanzend auf der Kinderintensivstation in Wiesbaden zeigt.
Aber der Reihe nach. Mario Berwald stammt aus dem hessischen Örtchen Leeheim bei Wiesbaden, studierte in Mainz Medizin und arbeitete in den letzten sieben Jahren als Oberarzt am GPR Klinikum in Rüsselsheim, wo er auch seine Facharztausbildung absolvierte. Als Facharzt wechselte er für seine Intensiv- und Neonatologie- Spezialisierung nach Offenbach und Wiesbaden. Nebenbei erwarb er Qualifikationen in den Bereichen Pädiatrische Intensivmedizin, Palliativmedizin, Schmerztherapie sowie Ernährungskunde.
Und was verschlug den Hessen nach Nordsachsen? Der Mediziner schmunzelt – denn das hängt mit seiner Bekanntheit in seinem Heimatland als „Tanzender Arzt“
zusammen. 
Das kam so: Berwald hatte 2018 in Wiesbaden einen schwerkranken, vierjährigen Jungen auf der Kinderintensivstation betreut, dessen Leben wochenlang am seidenen Faden hing. „Ich sagte zu seinen Eltern: Wenn er überlebt, dann tanze ich“, erzählt der Mediziner.
Tatsächlich wurde der Kleine gesund, Berwald legte im OP-Kittel eine flotte HipHop- Sohle aufs Parkett, die Eltern des Jungen stellten das Video ins Netz – und der Rest ist Geschichte. „Der Clip wurde millionenfach geklickt, es gab einen riesigen Presserummel und irgendwann saß ich sogar bei Günter Jauch.“
Hier kommt seine Frau ins Spiel, die aus Zwethau stammende Doreen Blanke: Sie arbeitete damals in der Kommunikationsabteilung der Wiesbadener Klinik und übernahm die Aufgabe, den Medienrummel rund um den berühmt gewordenen Kinderarzt zu begleiten. „Ja, so haben wir uns kennengelernt“, sagt er lachend.
Noch heute schätzt er die damalige professionelle Betreuung seiner Doreen – „denn ansonsten hätte ich das gar nicht geschafft“. Das lag daran, dass auch der Hessische Rundfunk den „Dancing Doc“ für sich entdeckte und gleich zwei kleine Doku-Serien mit ihm drehte: Erst „Berwalds Hausbesuch“ und dann „Kinderarzt Berwald“ über seinen Alltag in der Rüsselsheimer Klinik.
Könnte das nun mit Tanzclips oder einer neuen Serie, etwa im MDR, in Sachsen so weiter gehen? „Nein, nein“, lacht Berwald und winkt ab. „Ich werde mich hier ganz auf die Medizin und die Zeit mit meiner Familie konzentrieren.“
Seit sechs Wochen lebt und arbeitet er inzwischen in der Kleinstadt an der Elbe. Gefällt es ihm? „Es ist charmant hier, ich fühle mich pudelwohl“, sagt er. Im Vergleich zur Großstadt schätzt er die kurzen Wege und dass alles etwas „stressfreier“ sei. Zudem gefällt es ihm in dem kleinen, familiären Team der von Nancy Sachs geleiteten Station, der vier Fachärzte und zwei bis drei Assistenten angehören. 
An seinen Fachgebieten, der Kinder- und Neugeborenen-Medizin, schätzt er besonders die Vielfältigkeit. „Anders als in der Erwachsenenmedizin, die spezialisierter ist, haben wir es mit allen denkbaren Diagnosen zu tun“, erläutert er. „Das wird nie langweilig.“
Ein wichtiger Pluspunkt für das Torgauer Krankenhaus: Einen Facharzt für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin gab es hier bislang nicht. „Das ist sehr wichtig, zum Beispiel für die Erstversorgung von Kindern in der Notaufnahme“, erläutert Nancy Sachs. Ebenso entscheidend: Das Torgauer Krankenhaus ist nun noch besser gerüstet, sollte es vor oder nach der Geburt zu medizinischen Auffälligkeiten bei Früh- und Neugeborenen kommen. Damit habe die hiesige Geburten- und Kinderstation ein Alleinstellungsmerkmal in der Region, freut sich Sachs.
Demnächst wird Berwald übrigens auch die Adipositas-Gruppe für Kinder und Jugendliche („Giganten-Sport“) übernehmen. Diese wird bislang von Oberärztin Dr. Edith Bieck geleitet, die Ende dieses Jahres in den Ruhestand geht. 
Berwald bringt zudem viele Ideen mit, mit denen er in Torgau bereits auf offene Ohren stieß. An erster Stelle steht die gewünschte Zertifizierung als „Babyfreundliches Krankenhaus“, mit der die Kentmann-Klinik angesichts sinkender Geburten für sich werben könnte. „So ein Zertifikat haben nur sehr wenige Häuser“, sagt Berwald. Der Weg dorthin ist allerdings aufwendig, denn es müssen zum Beispiel alle Beschäftigten entsprechend geschult werden. Die Kinderstation trägt bereits seit 12 Jahren das Qualitätssiegel der Gesellschaft für Kinderkrankenhäuser und -abteilungen.  „Ausgezeichnet. Für Kinder.“
Zudem denkt er zusammen mit Sachs an die Gründung eines Fördervereins für die Kinder- und Geburtenstation. „Er könnte uns helfen, zusätzliches Equipment anzuschaffen, um den Klinikaufenthalt für Eltern und Kinder zu verbessern – über das medizinische Notwendige hinaus“, erläutert er. Als Beispiel nennt er Wärmematratzen, auf der Babys auch mal direkt neben ihren Müttern liegen können. In Rüsselsheim habe er über einen entsprechenden Verein, der unter anderem Benefizkonzerte organisierte, viele Spenden einwerben können. „Und hier gab es auch schon Anfragen“, freut sich der Arzt.
Privat ist er übrigens dabei, in der Heimatgemeinde seiner Frau ein neues Zuhause zu bauen. Auf das Landleben mit der kleinen Familie, zu der inzwischen auch eine dreijährige Tochter gehört, freut er sich schon sehr. „Hier bringen die Kollegen selbst angebaute Tomaten als Pausensnack mit“, hat er staunend festgestellt. „Das kannte ich vorher nicht!“ 
Zudem ist er – nicht untypisch für das Rhein-Main-Gebiet – Karnevalsfan. Parallel zu seiner medizinischen Laufbahn machte er im örtlichen Carnevals-Club Karriere – unter anderem als Jubiläumsprinz, Sitzungspräsident und als Aktiver in der Schautanzgruppe. Seine Tanzkünste kamen also nicht von ungefähr – denn sein mit seinen Mitstreitern tanzte er in der 1. Bundesliga im Schautanz, unter anderem auch Hip-Hop. Sollte er diese Karriere fortsetzen wollen: Die Ostelbier haben ja bekanntlich auch ein Faible fürs närrische Treiben.
Und wer weiß: Vielleicht ergibt es sich ja auch in Nordsachsen eine Gelegenheit, die den neuen Oberarzt dazu verführen könnte, seine Hip-Hop-Künste nochmal vor der Kamera auszupacken. Ein Click-Erfolg wäre ihm sicher auch hier gewiss.

Quellenangabe: Torgauer Zeitung vom 22. August 2026