Torgau. Es ist gewissermaßen ein Preis für herausragende Leistungen: die Anerkennung als Akademisches Lehrkrankenhaus. Eine Klinik erhält diese nur, wenn sie fachlich Herausragendes zu bieten hat – in einer Qualität, die es ermöglicht, angehende Mediziner zu unterrichten.
„Wir sind sehr stolz darauf“, sagt Lars Maiwald, der Ärztliche Direktor des Torgauer Krankenhauses. „Die Anerkennung bedeutet eine besondere Wertschätzung für unsere Arbeit.“ Bereits 2024 hatte das Krankenhaus bei der Uniklinik Leipzig den diesbezüglichen Antrag eingereicht. Dort wurden die 19 fachlichen Kriterien eingehend geprüft. Dazu die wichtigsten Fragen rund um Bedeutung, Vorteile und Perspektiven der neuen Lehrfunktion.
Was bedeutet „Akademisches Lehrkrankenhaus“?
Die Auszeichnung besagt, dass ein Krankenhaus in ausgewählten Fächern so hohe Leistungen erbringt, dass der berufliche Nachwuchs dort ausgebildet werden kann. In Torgau sind das die Fächer Chirurgie mit den Unterfächern Unfallchirurgie/Traumatologie unter der Leitung von PD Dr. med. habil. Jan-Sven Jarvers sowie Visceralchirurgie unter der Leitung von Dr. med. Olaf Breitbarth. Als Wahlfach kann zudem Orthopädie (Leitung: PD Dr. med. habil. Jan-Sven Jarvers) belegt werden.
Welche jungen Mediziner kommen jetzt nach Torgau?
Studenten im 6. Studienjahr können zwei Stationen ihres Praktischen Jahres in Torgau absolvieren, in der Chirurgie und/oder im Wahlfach Orthopädie. Dabei profitieren sie im Vergleich zu großen Häusern davon, dass sie schnell in alle praktischen Abläufe eingebunden werden: „Bei uns muss keiner während einer OP in der dritten Reihe stehen“, verdeutlicht Breitbarth. Zudem sei in kleineren Kliniken die persönliche Betreuung für die PJler besser zu gewährleisten.
Was ist der Vorteil für die Klinik?
Ein Vorteil ist, dass sich die Chance bietet, die Ärzte in spe für die Arbeit im Torgauer Krankenhaus oder als niedergelassene Mediziner in der Region zu begeistern. „Mancher wird erkennen, dass man hier gut leben kann“, so Maiwald. Derzeit stehen etwa sechs Plätze für ein Praktisches Jahr bereit. Der zweite Pluspunkt besteht darin, dass durch die enge Kopplung an die Uniklinik Leipzig ein steter fachlicher Austausch auf höchstem wissenschaftlichem Niveau stattfindet.
Was ist der Vorteil für Patienten?
Die Patienten in der Region profitieren zum einen von der hohen Qualität der ärztlichen Behandlung – zumal das Krankenhaus fortlaufend nachweisen muss, dass es weiterhin alle Kriterien für ein Lehrkrankenhaus erfüllt.
Zum anderen können alle Einwohner im Einzugsgebiet froh sein, wenn es gelingt, junge Mediziner dauerhaft für die Region zu begeistern. Wohl jeder hat schon erfahren, wie schwierig die Suche nach einem Facharzt sein kann.
Gibt es Bewerber für ein Praktisches Jahr in Torgau?
„Ja, die gibt es“, sagt Maiwald. Drei Medizinstudenten hätten sich erkundigt, ob sie ihr Praktisches Jahr in Torgau absolvieren können. Und aus Gesprächen weiß er: Unter den Interessenten werden auch Studenten aus Nordsachsen sein, die in Leipzig oder anderen Bundesländern Medizin studieren – und nun die Chance haben, in Heimatnähe praktisch zu arbeiten.
Wie geht es weiter?
Lars Maiwald könnte sich vorstellen, dass sich weitere Abteilungen für die Anerkennung qualifizieren. Entsprechende Anträge sollen zu gegebener Zeit eingereicht werden.
Quellenangabe: Torgauer Zeitung vom 12.02.2026, Seite 16