Fachkräftemangel in der Radiologie – Nachwuchs wird dringend benötigt

Die Radiologische Praxis im Kreiskrankenhaus Torgau sucht Auszubildende – Interessenten bietet sich ein abwechslungsreiches Berufsfeld

Dass die heutige Überalterung des medizinischen Personals sowie der Mangel an Nachwuchs nicht nur existenzbedrohend für die Mitarbeiter im Gesundheitswesen sind, sondern sogar die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung gefährden, ist ein offenes Geheimnis. Doris Zölfl, leitende Medizinisch-Technische Röntgen-Assistentin (MTRA) in der Radiologischen Praxis und im Kreiskrankenhaus (KKH) Torgau und Dr. Daniel Seider, Facharzt für Diagnostische Radiologie, sprechen über die aktuell schwierige Personalsituation am Beispiel der MTRAs in der Radiologischen Praxis im Kreiskrankenhaus Torgau.

TZ: Zunächst einmal zur Klärung vorweg: Was genau sind die Aufgaben von MTRA?

Doris Zölfl/ Daniel Seider: Zum einen das Erstellen von Röntgenaufnahmen, die Durchführung von Untersuchungen wie MRT, CT und Mammografie. Des Weiteren sind MTRA in der Strahlentherapie und Nuklearmedizin tätig. Sie erfüllen allgemeine Aufgaben wie die Organisation der Arbeitsabläufe sowie Dokumentation und Qualitätsmanagement.

Sie sorgen sich um eine Überalterung der MTRA. Wie ist die aktuelle Situation im KKH Torgau?

In unserer Praxis ist diese Sorge bereits Realität. Hier liegt der Altersdurchschnitt bei den elf MTRA inzwischen bei über 50 Jahren.

Welche möglichen Konsequenzen ergeben sich daraus?

Mangelnder Nachwuchs bei den MTRA bedeutet eine Gefährdung der Patientenversorgung im radiologischen Bereich. Kurzfristig gesehen betrifft es erst einmal unsere Praxis selbst, denn zu wenig Personal bedeutet vor allem längere Wartezeiten für die Patienten und ein höheres Arbeitspensum für das vorhandene Personal. Langfristig gesehen betrifft es aber die gesamte Region. Nicht jedes Krankenhaus in der Umgebung hat eine 24 Stunden besetzte Radiologie, häufig werden deshalb Patienten vor allem nachts und am Wochenende zu uns nach Torgau geschickt. Diese Möglichkeit würde dann wegfallen, wenn wir aufgrund fehlender Mitarbeiter den Betrieb unserer Praxis einschränken oder nicht mehr aufrechterhalten könnten. Diese Gefahr besteht durchaus. Patienten müssten dann wesentlich weitere Wege auf sich nehmen, wenn sie eine radiologische Untersuchung erhalten müssen, was vor allem in akuten Fällen lebensbedrohlich werden kann.

Worin sehen Sie eventuelle Gründe für die zu geringe Nachfrage nach diesem Beruf?

Wir vermuten, ein Grund könnte darin liegen, dass dieser Beruf unter den Schulabgängern nicht bekannt ist. Davon abgesehen gab es bislang keine Vergütung für die Ausbildung, was sie für viele Bewerber nicht gerade attraktiv macht – vor allem im Vergleich zu Berufen wie Krankenpflegerin, welche bereits in der Ausbildung vergütet werden.

Sie sagen „bislang“ keine Vergütung – hat sich das inzwischen geändert? Welche Maßnahmen werden denn ergriffen, um das Berufsbild für potentielle Bewerber attraktiver zu machen?

Das hat sich tatsächlich geändert. Die Ausbildung wird nun vergütet und das sogar ziemlich gut. Das ist eine der entscheidenden Maßnahmen, um die Ausbildung attraktiver zu machen.

Gibt es weitere?

Ja, ein neu eingeführter Studiengang an der Berufsakademie in Dresden ermöglicht es, nach der 3-jährigen Ausbildung innerhalb von 1,5 Jahren zusätzlich den Bachelor of Science zu erlangen.

Das sind ja einige Maßnahmen. Was wird denn allgemein getan, um das Berufsbild bekannter zu machen?

Wir haben zum Beispiel Anzeigen bei der Agentur für Arbeit und auf der Website des Krankenhauses geschaltet.

Welche Zielgruppe wird gesucht?

Vor allem richten wir uns an Schulabgänger von der Realschule und dem Gymnasium. Aber auch Quereinsteiger, welche sich noch einmal beruflich umorientieren möchten, sind gefragt.

Handelt es sich um eine Ausbildung oder ein Studium?

Inzwischen gibt es beides. Nach abgeschlossener Ausbildung können die Absolventen anschließend zusätzlich, wie bereits erwähnt, ein Bachelorstudium in Dresden absolvieren.

Welche Voraussetzungen sollten Interessenten mitbringen?

Da MTRA ein naturwissenschaftlich-technisch geprägter Beruf ist, sollte für diese Fächer eine gewisse Affinität vorhanden sein. Noten sind nicht alles, doch gewisse Grundkenntnisse sind erforderlich.

Wo kann man sich bewerben?

Die Bewerbung geht zum Beispiel in unserem Fall direkt an das Kreiskrankenhaus Torgau. Wir nehmen den Auszubildenden in diesem Zusammenhang organisatorische Aufgaben ab, suchen ihnen beispielsweise eine Berufsfachschule, an der sie den schulischen Teil der Ausbildung absolvieren können. Den praktischen Teil absolvieren sie zum Großteil in unserem Krankenhaus bzw. der radiologischen Praxis.

Was passiert, wenn sich künftig nicht genügend Bewerber finden?

Dann würde das eine ernstzunehmende Gefahr für die medizinische Rundum-Versorgung der Patienten bedeuten, nicht nur in Torgau, sondern auch in umliegenden Regionen. Ohne MTRA keine radiologische Diagnostik und ohne Diagnostik keine Therapie. Deshalb möchten wir gern potentielle Interessenten motivieren, sich zu bewerben. Wer sich noch nicht sicher ist, kann auch einfach einmal für ein paar Tage in unserer Praxis reinschnuppern“. Dieses Jahr beginnt die Ausbildung am 1. September – wer Interesse hat, sollte sich also bitte so schnell wie möglich melden. Zudem kann man sich auch jetzt schon für die Ausbildung im nächsten Jahr bewerben. Ihr Ansprechpartner ist unser Personalleiter Ingo Poser, erreichbar unter der Telefonnummer 03421 771020 oder per E-Mail unter poser@kkh-torgau.de.

Quelle: Torgauer Zeitung, Gespräch: Nadine Huber

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